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Der Gartenbau

24.6.2009

Der Mensch und seine Landschaften

Eindrücke vom Rapperswiler Tag 09

Artikel von Othmar Gut

Am letzten Freitag fand an der HSR Hochschule für Technik Rapperswil der Rapperswiler Tag statt, eine jährliche Fachtagung zu einem aktuellen Thema aus der Landschaftsarchitektur. Dieses Jahr lautete der Titel «Paysage mon amour». Fachleute verschiedener Disziplinen beleuchteten das Verhältnis zwischen Mensch und Landschaft.

In welchem Verhältnis steht der moderne Mensch zur Landschaft? Wie werden Landschaften heute genutzt? Kann der Bezug zur Landschaft gestärkt und intensiviert werden? Antworten auf diese und ähnliche Fragen wurden aus landschaftsarchitektonischer, architektonischer und künstlerischer, aber auch aus wirtschaftlicher Sicht gesucht.

Den wirtschaftlichen Aspekt beleuchtet Dr. Silvia Tobias, Forschungsprogrammleiterin an der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft «WSL», Birmensdorf. Sie präsentierte Erkenntnisse aus diversen Studien, die sich mit der Rolle der Landschaft im Standortmarketing auseinandersetzten. Tobias kommt zum Schluss, dass Landwirtschaft zwar eine Rolle bei der Wohnortswahl spielt, insbesondere bei höheren Einkommensschichten, aber bloss als «Stoff-Faktor». «Eine Quantifizierung der Bedeutung der Landschaft als Standortfaktor, (...), wird wohl kaum je möglich sein», betonte Tobias.

Die Bedeutung der Landschaft für die aufgrund des demografischen Wandels schrumpfenden Städte erläuterte die Landschaftsarchitektin Heike Brückner, Stiftung Bauhaus Dessau, am Beispiel Dessau. Die durch den Abriss von Gebäuden frei werdenden Brachen mitten in der Stadt können von den Einwohnerinnen individuell gestaltet werden. Zu diesem Zweck wurde die Stadt in 400 m2 grosse «Pixel» aufgeteilt, eine überschaubare und beherrschbare Einheit. Das Projekt ist eingebettet in eine gesamtstädtische Strategie, nach der langfristig ein neuer Landschaftszug herausgebildet werden soll.

Dessau ist ein Beispiel der Internationalen Bauausstellung (IBA) Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010 (www.iba-stadtumbau .de). Die IBA Stadtumbau 2010 versteht sich als ein «Labor», in dem verschiedene «Werkzeuge» des Stadtumbaus beispielhaft erprobt und angewendet werden.

Florale Anarchie

Um Stadtlandschaft ging es auch im Referat von Maurice Maggi, Landschaftsgärtner und Küchenchef, Zürich. Durch seine Intervention entstanden in Zürich über die ganze Stadt verteilt unerlaubte Blumenbilder. Er erzählte, wie seine illegalen Aussaaten von Strockrosen in der Stadt Zürich Teil des naturnahen Pflegekonzeptes wurden, und von seinem illegalen Trockenbiotop auf dem Letten-Area l, das zum Naturreservat werden sollte. «Mit dem Modewort 'Guerilla Gardening' scheint mein Wirken endlich eine populäre Bühne gefunden zu haben», meinte Maggi.

Nicht gerade begeistert ist Maggi von der modernen Landschaftsarchitektur: «Sie reizt mich geradezu, ihre Strenge und Linearität zu sprengen. Ja, sie schreit geradezu nach einer Intervention.»

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